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WhatsApp in der Praxis ersetzen: was der Umstieg wirklich braucht

Dass WhatsApp im Behandlungszimmer nichts verloren hat, ist schnell erklärt. Schwieriger ist die Frage danach: Wie kommt ein Team, das seit Jahren so kommuniziert, tatsächlich davon los?

Von Clemens Bürli

Erschienen

Überarbeitet

4 Min. Lesezeit

In den meisten Praxen ist WhatsApp nie eingeführt worden. Es war einfach schon da, auf den privaten Handys aller Beteiligten, und hat sich Situation für Situation in den Arbeitsalltag geschoben: ein Foto an die Kollegin, eine Rückfrage an den Zuweiser, eine Terminverschiebung mit einer Patientin.

Genau deshalb geht es auch nicht mit einem Merkblatt wieder weg. Ein Verbot ohne brauchbaren Ersatz führt nicht dazu, dass niemand mehr chattet, sondern dazu, dass niemand mehr darüber spricht.

Warum WhatsApp ausscheidet

Der Grund ist nicht die Verschlüsselung — die hat WhatsApp. Es sind drei andere Punkte, und jeder allein genügt.

  • WhatsApp gehört zu Meta, einem US-Unternehmen, und fällt damit unter den CLOUD Act. Wo die Daten liegen, ändert daran nichts.
  • Es fehlt ein Auftragsbearbeitungsvertrag, den Art. 9 DSG für die Bearbeitung durch Dritte verlangt. Ohne ihn ist die Bearbeitung besonders schützenswerter Gesundheitsdaten nicht abgedeckt.
  • Die App braucht das Adressbuch des privaten Handys. Damit vermischen sich Praxis und Privatleben, und beim Austritt einer Mitarbeiterin geht der Nachrichtenverlauf mit.

Was als Ersatz taugt

Die Auswahl ist kleiner, als die Suchergebnisse vermuten lassen, weil sich die Frage nicht am Funktionsumfang entscheidet, sondern an vier Eigenschaften .

AnforderungWarum sie entscheidet
Auftragsbearbeitungsvertrag im Standard Ohne ihn ist der Dienst für Patientendaten unbrauchbar, unabhängig von der Technik.
Kein Zugriff auf private Adressbücher Trennt Praxis und Privatleben und löst das Problem beim Personalwechsel.
Patienten ohne Installation erreichbar Ein Kanal, den nur das Team nutzt, verlagert den Patientenkontakt zurück auf WhatsApp.
Rückweg ins Praxissystem Was im Messenger bleibt, ist nicht dokumentiert und muss abgetippt werden.
Die dritte Zeile ist die, an der die meisten Umstellungen scheitern.

Der Umstieg in einer Woche

  1. 1

    Tag 1 bis 3: aufschreiben, wofür das Handy benutzt wird

    Nicht schätzen, notieren. In den meisten Praxen kommen drei bis vier wiederkehrende Situationen heraus, und der Rest ist Einzelfall. Nur diese Situationen müssen ersetzt werden.

  2. 2

    Tag 4: den Ersatz für genau diese Fälle einrichten

    Gruppen, Verzeichnis und Zugang für die Personen, die in diesen Situationen vorkommen. Alles Weitere wartet — eine vollständig eingerichtete Lösung, die niemand benutzt, ist schlechter als eine halbe, die läuft.

  3. 3

    Tag 5: den alten Weg schliessen, nicht verbieten

    Die Praxisnummer aus den WhatsApp-Gruppen nehmen und die Gruppen auflösen. Solange beide Wege offen sind, gewinnt der gewohnte.

  4. 4

    Danach: zwei Wochen zuhören

    Jede Rückmeldung der Art "das ging vorher schneller" ist die wichtigste Information, die es gibt. Wird sie nicht behoben, läuft WhatsApp in vier Wochen wieder — nur unsichtbar.

Was man den Patientinnen und Patienten sagt

Der Teil, der am meisten Sorge macht und am wenigsten Probleme, wenn er kurz gehalten wird. Bewährt hat sich ein Satz an der Anmeldung und einer in der Terminbestätigung: dass Nachrichten neu über einen gesicherten Kanal laufen, weil Gesundheitsdaten nicht über WhatsApp gehören, und dass dafür nichts installiert werden muss .

Niemand hat je eine Praxis gewechselt, weil sie ihre Nachrichten sicherer verschickt. Aber viele Umstellungen sind daran gescheitert, dass der neue Weg zwei Klicks mehr brauchte.

Der ehrliche Massstab für den Erfolg ist deshalb nicht, ob die Lösung eingerichtet ist, sondern ob nach zwei Monaten noch jemand im Team zum privaten Handy greift. Diese Frage lässt sich stellen, und die Antwort sagt mehr als jede Einführungsschulung.

Häufige Fragen

Ist WhatsApp Business erlaubt?

Nein, an der Sache ändert es nichts. Die Business-Fassung bringt Werkzeuge für Unternehmen mit, aber denselben Anbieter, dasselbe Recht und keinen Auftragsbearbeitungsvertrag für Gesundheitsdaten nach Schweizer Recht.

Reicht es, keine Namen zu schreiben?

Nein. Ein Foto einer Wunde, ein Befundausschnitt oder auch nur die Tatsache, dass eine bestimmte Nummer regelmässig mit einer bestimmten Praxis schreibt, ist bereits eine Information über den Gesundheitszustand. Pseudonymisierung im Chatfenster löst das Problem nicht.

Was ist mit rein internen Nachrichten ohne Patientenbezug?

Wer die Kaffeekasse organisiert, braucht keinen gesicherten Kanal. Die Erfahrung ist nur, dass die Trennung im Alltag nicht hält: In derselben Gruppe, in der die Dienstplanung läuft, landet früher oder später ein Foto. Ein Kanal fürs Team ist deshalb die einfachere Lösung als zwei.

Wie lange dauert der Umstieg realistisch?

Die Einrichtung eine Woche, die Gewöhnung etwa zwei Monate. Entscheidend ist nicht die Einführung, sondern was in den Wochen danach mit den Rückmeldungen passiert, die sagen, dass der neue Weg langsamer sei.

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