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Effizientes Praxismanagement: erst messen, dann ändern

Jede Praxis weiss, dass Zeit verloren geht. Fast keine weiss, wo. Der Unterschied zwischen einer Umstellung, die etwas bringt, und einer, die nur Unruhe stiftet, liegt in einer Woche mit einem Notizblock.

Von Clemens Bürli

Erschienen

Überarbeitet

4 Min. Lesezeit

Ratgeber zum Praxismanagement enden meistens bei denselben Empfehlungen: bessere Kommunikation, klare Zuständigkeiten, motiviertes Team. Nichts davon ist falsch, und nichts davon lässt sich am Montag umsetzen. Es fehlt der Teil davor, nämlich welche der zwanzig möglichen Baustellen die eigene ist.

Diese Frage lässt sich nicht durch Nachdenken beantworten, weil die Verluste dort sitzen, wo sie niemand mehr sieht. Was jeden Tag zwölfmal passiert, fällt nicht auf; was einmal im Monat schiefgeht, bleibt in Erinnerung. Die Wahrnehmung sortiert nach Ärger, nicht nach Zeit.

Die Woche mit dem Notizblock

Das Verfahren ist unspektakulär und funktioniert seit Jahrzehnten: Eine Woche lang notiert jede Person am Empfang und in der Assistenz eine Strichliste. Nicht Minuten, nur Häufigkeiten, denn Minuten zu stoppen hält niemand durch.

  1. Wie oft wurde dieselbe Angabe ein zweites Mal getippt, weil zwei Systeme sie brauchen?
  2. Wie oft ging ein Telefonat um etwas, das keine medizinische Auskunft war — Öffnungszeiten, Rezept, wo der Befund bleibt?
  3. Wie oft wurde etwas gesucht, das schon einmal da war: ein Vorbefund, ein Bild, ein Formular?
  4. Wie oft musste jemand auf eine Antwort warten, um weiterarbeiten zu können?

Nach fünf Tagen liegt eine Rangfolge auf dem Tisch, und sie ist fast immer eine andere als die vermutete. In den meisten Praxen steht die Doppelerfassung oben, obwohl sich alle über das Telefon beklagen.

Drei Kennzahlen genügen

Wer die Strichliste in Zahlen übersetzen will, braucht nicht mehr als drei. Alles darüber hinaus wird gepflegt, bis es niemand mehr anschaut.

KennzahlWie sie erhoben wirdWas sie verrät
Zeit zwischen letzter Konsultation und Feierabend Eine Woche lang notieren, Mittelwert bilden Wie viel Dokumentation nach hinten geschoben wird. Die Zahl, die sich am schnellsten bewegt.
Anteil der Anrufe ohne medizinischen Inhalt Strichliste am Empfang Wie viel Erreichbarkeit für Auskünfte draufgeht, die ein anderer Kanal übernehmen könnte.
Doppelerfassungen pro Tag Strichliste, jede zweite Eingabe derselben Angabe Der Posten, der sich am zuverlässigsten automatisieren lässt, weil er regelmässig und gleichförmig ist.
Dieselben drei Zahlen nach der Umstellung noch einmal erheben. Ohne den zweiten Messpunkt bleibt jede Verbesserung eine Behauptung.

Was die Reihenfolge bestimmt

Aus der Rangfolge folgt noch keine Entscheidung, denn nicht jeder Posten ist gleich gut zu lösen. Brauchbar ist eine einfache Regel: zuerst das, was oft und immer gleich passiert.

Ein Vorgang, der täglich zwanzigmal identisch abläuft, ist der beste Kandidat für eine Automatisierung — er ist beschreibbar, prüfbar und wird nicht zur Ausnahme. Ein Vorgang, der selten und jedes Mal anders vorkommt, bleibt Handarbeit, und das ist richtig so.

Die teuerste Tätigkeit einer Praxis ist selten die anstrengendste. Sie ist die, die so oft vorkommt, dass niemand sie mehr wahrnimmt.

Der Fehler, der die meisten Umstellungen kostet

Zu viel auf einmal. Wer drei Abläufe gleichzeitig ändert, weiss hinterher nicht, welcher davon gewirkt hat, und beim ersten Widerstand fällt alles zusammen zurück. Eine Änderung, zwei Wochen beobachten, dann die nächste.

Der zweite Fehler ist, den alten Weg offen zu lassen. Solange es beide gibt, gewinnt der gewohnte, und die Umstellung erscheint als gescheitert, obwohl sie nur nie stattgefunden hat.

Was sich realistisch bewegt

Eine ehrliche Erwartung: Die Dokumentationszeit lässt sich am deutlichsten senken, weil dort die grösste zusammenhängende Menge steckt. Telefonaufkommen sinkt spürbar, aber nur, wenn der Ersatzkanal auch von Patientinnen ohne App benutzt werden kann . Und die Doppelerfassung verschwindet ganz, sobald zwei Systeme miteinander reden — das ist der einzige Posten, bei dem die Verbesserung vollständig ist statt graduell.

Wer eine Zahl für die eigene Praxis will, bevor er etwas ändert, kann sie überschlagen . Entscheidend bleibt aber die Woche mit dem Notizblock: Ein Überschlag mit geschätzten Eingangswerten ist eine Schätzung mit mehr Nachkommastellen.

Häufige Fragen

Womit fängt man an, wenn die Zeit knapp ist?

Mit der Strichliste, nicht mit einer Massnahme. Fünf Tage kosten fast nichts und verhindern die teure Variante: eine Umstellung, die den falschen Ablauf trifft und Vertrauen kostet, bevor der richtige drankommt.

Lohnt sich Praxismanagement-Software?

Sie ist Werkzeug, nicht Antwort. Ein System kann nur den Ablauf abbilden, den es vorfindet; ist der ungeklärt, wird er teuer digitalisiert. Erst messen, dann entscheiden, ob das Problem Software braucht oder eine Absprache.

Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt?

Bei der Dokumentation innerhalb weniger Tage, weil sie täglich anfällt. Bei Abläufen, die das Verhalten des Teams betreffen, etwa zwei Monate. Wer nach zwei Wochen abbricht, misst die Umstellung, nicht ihre Wirkung.

Muss dafür das Praxissystem gewechselt werden?

In den seltensten Fällen. Die meisten Verluste sitzen zwischen den Systemen, nicht in einem davon, und ein Wechsel verschiebt diese Stellen nur. Ein Systemwechsel lohnt sich, wenn das vorhandene System keine Schnittstellen hat — nicht, weil es alt aussieht.

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