Zum Inhalt springen
Unomed

Cloud-PACS mit Anbindung ans Praxissystem: wann es sich lohnt

Ein eigenes Bildarchiv gilt als Sache der Radiologie. Für eine Praxis mit einem Röntgengerät oder einem Ultraschall ist die Rechnung eine andere — und sie geht nicht immer auf.

Von Clemens Bürli

Erschienen

Überarbeitet

4 Min. Lesezeit

Eine Praxis, die selbst Bilder erzeugt, hat immer irgendeine Form von Archiv. Oft ist es die Software des Geräts, manchmal ein Netzlaufwerk, gelegentlich beides nebeneinander. Das funktioniert, solange niemand ein Bild von vor drei Jahren sucht und solange die Kollegin, die weiss, wo alles liegt, im Haus ist.

Die Frage ist deshalb selten, ob ein Archiv nötig ist. Sie lautet, ob sich ein eigenes, angebundenes Archiv gegenüber dem Behelf rechnet, den es schon gibt.

Was die Anbindung tatsächlich ändert

Der Unterschied zwischen einem Archiv und einem angebundenen Archiv liegt in der Patientenzuordnung. Ohne Anbindung wird der Patient am Gerät erfasst, also ein zweites Mal getippt, mit den Tippfehlern, die dazugehören. Danach existiert derselbe Mensch in zwei Systemen unter zwei leicht verschiedenen Schreibweisen, und beim Suchen findet man ihn in einem davon.

Mit Anbindung kommt der Auftrag aus dem Praxissystem, das Gerät übernimmt die Daten, und das fertige Bild geht mit derselben Kennung zurück. Der Gewinn ist unspektakulär und tritt bei jeder einzelnen Untersuchung ein: kein zweites Erfassen, keine Namensvarianten, und der Befund liegt dort, wo ohnehin gearbeitet wird.

Die Rechnung

Ob sich das trägt, hängt an einer einzigen Zahl: wie viele Untersuchungen pro Woche anfallen. Die folgende Aufstellung ist keine Preisliste, sondern eine Grössenordnung für die eigene Abschätzung.

Untersuchungen pro WocheWas sich lohntWarum
unter 5 beim Bestehenden bleiben Die eingesparte Zeit erreicht die Betriebskosten nicht. Ein aufgeräumtes Netzlaufwerk mit klarer Namensregel genügt.
5 bis 20 Anbindung prüfen, Archiv optional Der Gewinn steckt fast ganz in der Patientenzuordnung, nicht im Speicher. Oft reicht die Anbindung des vorhandenen Systems.
über 20 eigenes Archiv mit Anbindung Ab hier kostet das Suchen und Zuordnen mehr Arbeitszeit als der Betrieb eines Archivs.
Die Schwellen verschieben sich nach unten, sobald Bilder regelmässig an Zuweiser oder Patienten gehen. Der Versand ist der Schritt, der ohne Archiv am meisten Handarbeit kostet.

Was für die Cloud spricht und was dagegen

Für die Cloud sprechen die Punkte, die eine kleine Praxis sonst selbst tragen müsste: Sicherung, Aktualisierung, Ausfallkonzept, und die Erreichbarkeit von aussen, wenn im Notfalldienst ein Vorbild gebraucht wird.

Dagegen spricht die Abhängigkeit von der Leitung. Wer Bilder über eine schmale Anbindung lädt, merkt das bei grossen Serien sofort. Das ist kein Ausschlussgrund, aber ein Punkt, den man vor der Entscheidung misst statt hinterher.

Rechtlich gilt dasselbe wie bei jedem Dienst, der Patientendaten verarbeitet: Es braucht einen Auftragsbearbeitungsvertrag nach Art. 9 DSG, und es muss klar sein, welchem Recht der Anbieter untersteht.

Ein Archiv, das nicht mit dem Praxissystem spricht, ersetzt einen Ordner durch einen anderen. Der Nutzen sitzt in der Anbindung, nicht im Speicherort.

Wovon abzuraten ist

Von einem Archiv, das nur beschafft wird, weil das Gerät neu ist. Wer weniger als fünf Untersuchungen pro Woche macht, gewinnt nichts, das die laufenden Kosten aufwiegt, und handelt sich einen Vertrag ein.

Und von einer Lösung ohne geklärten Ausstieg. Bilddaten sind der Teil einer Praxis, der am längsten aufbewahrt werden muss; ein Archiv, aus dem man nicht wieder herauskommt, ist eine Entscheidung für zehn Jahre, nicht für eine Vertragslaufzeit.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PACS und VNA?

Ein PACS ist auf Bilder aus der Bildgebung ausgelegt und eng mit den Geräten verbunden. Ein VNA ist ein herstellerneutrales Archiv, das auch andere Dokumente aufnimmt und weniger an einen Anbieter gebunden ist. Für eine Praxis ist der praktische Unterschied gering; wichtiger ist, ob die Daten im Standardformat wieder herausgehen.

Ab wie vielen Untersuchungen lohnt sich ein eigenes Archiv?

Als Faustregel ab etwa zwanzig pro Woche. Darunter steckt der Gewinn vor allem in der Anbindung ans Praxissystem, nicht im Archiv selbst; unter fünf lohnt sich in der Regel keines von beidem. Wer regelmässig Bilder an Zuweiser schickt, kommt früher in den Bereich, in dem es sich rechnet.

Muss dafür das Praxissystem gewechselt werden?

Nein, und wer das behauptet, verkauft ein Praxissystem. Die Anbindung erfolgt über die üblichen Schnittstellen; entscheidend ist, ob das vorhandene System diese unterstützt, nicht ob es das neueste ist.

Wie lange müssen Bilder aufbewahrt werden?

Die Aufbewahrungsfristen für Krankengeschichten sind kantonal geregelt und liegen im Bereich von zehn Jahren und mehr. Diese Frist ist der Grund, warum die Frage nach dem Ausstieg aus einem Archiv vor Vertragsabschluss gehört: Sie überdauert die meisten Anbieterbeziehungen.

Dazu auf dieser Seite

Weitere Beiträge

Alle Beiträge

Beratung

Fragen zu Ihrer eigenen Praxis?

Wir schauen uns an, wo bei Ihnen die Handarbeit zwischen den Systemen anfängt, und sagen Ihnen, was sich davon lösen lässt. Ohne Verkaufsgespräch.

Beratung anfragen