Cloud-PACS mit Anbindung ans Praxissystem: wann es sich lohnt
Ein eigenes Bildarchiv gilt als Sache der Radiologie. Für eine Praxis mit einem Röntgengerät oder einem Ultraschall ist die Rechnung eine andere — und sie geht nicht immer auf.
Eine Praxis, die selbst Bilder erzeugt, hat immer irgendeine Form von Archiv. Oft ist es die Software des Geräts, manchmal ein Netzlaufwerk, gelegentlich beides nebeneinander. Das funktioniert, solange niemand ein Bild von vor drei Jahren sucht und solange die Kollegin, die weiss, wo alles liegt, im Haus ist.
Die Frage ist deshalb selten, ob ein Archiv nötig ist. Sie lautet, ob sich ein eigenes, angebundenes Archiv gegenüber dem Behelf rechnet, den es schon gibt.
Was die Anbindung tatsächlich ändert
Der Unterschied zwischen einem Archiv und einem angebundenen Archiv liegt in der Patientenzuordnung. Ohne Anbindung wird der Patient am Gerät erfasst, also ein zweites Mal getippt, mit den Tippfehlern, die dazugehören. Danach existiert derselbe Mensch in zwei Systemen unter zwei leicht verschiedenen Schreibweisen, und beim Suchen findet man ihn in einem davon.
Mit Anbindung kommt der Auftrag aus dem Praxissystem, das Gerät übernimmt die Daten, und das fertige Bild geht mit derselben Kennung zurück. Der Gewinn ist unspektakulär und tritt bei jeder einzelnen Untersuchung ein: kein zweites Erfassen, keine Namensvarianten, und der Befund liegt dort, wo ohnehin gearbeitet wird.
Die Rechnung
Ob sich das trägt, hängt an einer einzigen Zahl: wie viele Untersuchungen pro Woche anfallen. Die folgende Aufstellung ist keine Preisliste, sondern eine Grössenordnung für die eigene Abschätzung.
| Untersuchungen pro Woche | Was sich lohnt | Warum |
|---|---|---|
| unter 5 | beim Bestehenden bleiben | Die eingesparte Zeit erreicht die Betriebskosten nicht. Ein aufgeräumtes Netzlaufwerk mit klarer Namensregel genügt. |
| 5 bis 20 | Anbindung prüfen, Archiv optional | Der Gewinn steckt fast ganz in der Patientenzuordnung, nicht im Speicher. Oft reicht die Anbindung des vorhandenen Systems. |
| über 20 | eigenes Archiv mit Anbindung | Ab hier kostet das Suchen und Zuordnen mehr Arbeitszeit als der Betrieb eines Archivs. |
Was für die Cloud spricht und was dagegen
Für die Cloud sprechen die Punkte, die eine kleine Praxis sonst selbst tragen müsste: Sicherung, Aktualisierung, Ausfallkonzept, und die Erreichbarkeit von aussen, wenn im Notfalldienst ein Vorbild gebraucht wird.
Dagegen spricht die Abhängigkeit von der Leitung. Wer Bilder über eine schmale Anbindung lädt, merkt das bei grossen Serien sofort. Das ist kein Ausschlussgrund, aber ein Punkt, den man vor der Entscheidung misst statt hinterher.
Rechtlich gilt dasselbe wie bei jedem Dienst, der Patientendaten verarbeitet: Es braucht einen Auftragsbearbeitungsvertrag nach Art. 9 DSG, und es muss klar sein, welchem Recht der Anbieter untersteht.
Ein Archiv, das nicht mit dem Praxissystem spricht, ersetzt einen Ordner durch einen anderen. Der Nutzen sitzt in der Anbindung, nicht im Speicherort.
Wovon abzuraten ist
Von einem Archiv, das nur beschafft wird, weil das Gerät neu ist. Wer weniger als fünf Untersuchungen pro Woche macht, gewinnt nichts, das die laufenden Kosten aufwiegt, und handelt sich einen Vertrag ein.
Und von einer Lösung ohne geklärten Ausstieg. Bilddaten sind der Teil einer Praxis, der am längsten aufbewahrt werden muss; ein Archiv, aus dem man nicht wieder herauskommt, ist eine Entscheidung für zehn Jahre, nicht für eine Vertragslaufzeit.