Wie viele Ärztinnen und Ärzte gibt es in der Schweiz?
Die kurze Antwort lautet 42'602. Die längere erklärt, warum diese Zahl steigt und die Versorgung trotzdem enger wird — und weshalb bei jeder Zahl hier das Bezugsjahr dabeisteht.
Die Zahl, nach der gesucht wird, ist schnell genannt: In der Schweiz waren 42'602 Ärztinnen und Ärzte berufstätig. Sie stammt aus der FMH-Ärztestatistik mit dem Bezugsjahr 2024, veröffentlicht im März 2025.
Dass hier ein Jahr dabeisteht, ist kein Formalismus. Die FMH erhebt jährlich, jede Ausgabe verschiebt die Werte, und ein Text, der „aktuell" schreibt, ist ein Jahr später falsch, ohne dass jemand ihn angefasst hat. Wer die neueste Ausgabe braucht, findet sie bei der FMH; hier steht, was in der genannten Erhebung stand.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert | Bezugsjahr |
|---|---|---|
| Berufstätige Ärztinnen und Ärzte | 42'602 | 2024 |
| davon Ärztinnen | 20'224 | 2024 |
| davon Ärzte | 22'378 | 2024 |
| Frauenanteil | 47,5 % | 2024 |
| Diplom im Ausland erworben | 41,3 % | 2024 |
| Grundversorgerdichte | 0,8 Vollzeitäquivalente je 1000 Einwohner | 2024 |
| In Einzelpraxis tätig | 39,6 % (2014: 57,2 %) | 2024 |
| 60 Jahre und älter | rund ein Viertel | 2025 |
Warum die wachsende Zahl die Lage nicht entspannt
Die Ärzteschaft wird jedes Jahr grösser. Trotzdem berichten Praxen von längeren Wartezeiten und Patientinnen davon, dass sie keinen Hausarzt finden. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage von drei Grössen, die alle in dieselbe Richtung ziehen.
Erstens wächst der Bedarf schneller. Eine älter werdende Bevölkerung braucht mehr medizinische Leistungen pro Kopf, und dieser Zuwachs übertrifft das Wachstum der Ärzteschaft.
Zweitens sinkt das durchschnittliche Arbeitspensum. Wo 2014 im Mittel 8,9 Halbtage pro Woche gearbeitet wurden, sind es heute 8,6. Zwei Personen mit reduziertem Pensum erscheinen in der Statistik als zwei Ärztinnen und decken zusammen weniger ab als früher eineinhalb.
Drittens verteilt sich der Zuwachs ungleich. Entscheidend für die Versorgung im Alltag ist nicht die Gesamtzahl, sondern die Grundversorgerdichte, und die liegt bei 0,8 Vollzeitäquivalenten je 1000 Einwohner — ein Wert, den die FMH selbst als tief bezeichnet.
Die Gesamtzahl steigt seit Jahren. Die Zahl der Vollzeitäquivalente in der Grundversorgung tut es nicht im selben Mass — und die entscheidet, ob jemand einen Hausarzt findet.
Die Abhängigkeit vom Ausland
41,3 Prozent der in der Schweiz tätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihr Diplom im Ausland erworben. Zum Vergleich zieht die FMH den Durchschnitt der OECD-Länder heran, der bei rund 19 Prozent liegt. Die Schweiz deckt ihren Bedarf also zu einem Anteil, der international ungewöhnlich hoch ist, über anderswo ausgebildete Fachleute.
Der Anteil ist über die Jahre gestiegen: 2014 lag er bei 31 Prozent. Das ist keine Frage der Qualität, sondern eine der Planbarkeit. Ein Versorgungssystem, das zu über vier Zehnteln von Ausbildungsentscheidungen anderer Länder abhängt, kann seine eigene Kapazität nur begrenzt steuern.
Die Altersstruktur
Rund ein Viertel der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist 60 Jahre oder älter. Das ist die Zahl, aus der sich die kommenden zehn Jahre ablesen lassen: Diese Gruppe wird in absehbarer Zeit ersetzt werden müssen, und zwar zusätzlich zum Wachstum, das der steigende Bedarf ohnehin verlangt.
Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Ärztinnen sind im Mittel deutlich jünger als ihre männlichen Kollegen — eine Folge davon, dass der Frauenanteil unter den Abschlüssen seit Jahren steigt. Der Generationenwechsel ist damit zugleich ein Wechsel in der Zusammensetzung.
Was sich daraus für eine Praxis ergibt
Aus diesen Zahlen folgt keine Massnahme für eine einzelne Praxis, aber eine nüchterne Erwartung: Die Entlastung wird nicht durch mehr Personal kommen. Wer heute eine Praxis führt, plant realistischerweise damit, dass die Zahl der Fachkräfte pro Patient eher sinkt als steigt.
Damit verschiebt sich die einzige Stellschraube, die in der eigenen Hand liegt: wie viel von der Arbeitszeit auf Behandlung entfällt und wie viel auf Verwaltung . Auch der Rückgang der Einzelpraxen von 57,2 auf 39,6 Prozent gehört in dieses Bild — grössere Einheiten teilen sich die Administration, die eine Einzelpraxis allein trägt.